Wenn Einer einen Job ausschreibt…

… dann kann er viel erleben.

Es ist nun gut drei Wochen her, dass ich bei der Arbeitsagentur eine Anzeige geschaltet habe, weil ich eine bzw. zwei weitere Mitarbeiterinnen für meine Kanzlei suchte. Ich darf rückblickend (die Stellen sind besetzt) sagen, dass mir Einiges geboten wurde.

Es begann mit einem Herren, der seine „Textsicherheit“ besonders hervorhob. Leider las sich der Text seiner Bewerbung angesichts der darin enthaltenen vorwiegend grammatikalischen Fehler nicht ganz so sicher, wie man hätte erwarten dürfen.

Interessant war auch die Bewerbung einer Dame, die ihre bei der Polizei bzw. Kripo tätigen Familienmitglieder besonders hervorhob. Ob sie wohl vor dem Absenden ihrer Bewerbung einmal nachgeschaut hat, bei wem sie sich bewirbt und falls ja, weshalb erschien es ihr sinnvoll, Dergleichen zu erwähnen?

Eine weitere Dame belehrte mich gleich eingangs ihrer Bewerbung darüber, dass es für mich viel sinnvoller sei, eine freie Mitarbeiterin zu beschäftigen, nämlich sie. Mir wurden dann die zahlreichen Vorteile der freien Mitarbeiterschaft juristisch-halbgar erläutert, die Nachteile ließ man außen vor. Ganz sicher dachte sie, dass ich als Jurist die Nachteile selbst kenne. Kenne ich tatsächlich und gerade deshalb suchte ich keine freie Mitarbeiterin.

Die Krönung war eine Dame, die mir im Rahmen eines Telefonats berichtete, meine Sekretärin (sie vermochte die Rechtsfrage danach, welche Summe die Anruferin von dem Gehalt auf ihre Rente angerechnet bekommt, sollte sie sich für eine Zusammenarbeit mit mir (hört, hört!) entscheiden, nicht zu beantworten) sei sehr unhöflich gewesen.     

Ich habe ihr geraten, sich nach einer anderen Tätigkeit umzutun, da ich keine Grundlage für eine gedeihliche Zusammenarbeit sehe. Das Wort „konsterniert“ beschreibt ihre Reaktion, die ich rasch dazu ausnutzte, das Telefonat zu beenden, übrigens am Besten.