Vom wilden Watz gebissen

Dem Mandanten wird in einer Anklage zum Strafrichter vorgeworfen,

entgegen § 6a Abs. 2a AMG Arzeimittel in nicht geringer Menge eu Dopingzwecken im Sport besessen zu haben.

Vier kleine Fläschen mit Testosteron, gefunden bei einer Durchsuchung in der Schublade eines Schranks, der in einem Probenraum stand, in denen ein paar grimmige Rapper Musik machen.

Das Argument der Verteidigung, der Mandant (gebürtiger Neuköllner) sei kein Sportler, deswegen sei das Tatbestandsmerkmal „zu Dopingzwecken im Sport“ nicht erfüllt, wollte die Staatsanwaltschaft nicht gelten lassen. Der tapfere Staatsanwalt (vermutlich gebürtiger Südwestdeutscher) trug ein Gegenargument vor, das einen Beißreflex in Richtung Tischkante in mir auslöste:

Jogginganzug und -schuhe

Nun kann man von einem in Grunewald hospitalisierten Schwaben nicht erwarten, daß er die lebhafte traditionelle Neuköllner Straßenkleidung kennt. Ich habe mich deswegen für die Berufungsinstanz bereits auf einen Beweisantrag vorbereitet: Inaugenscheinnahme der Besucher der Neukölln-Arcaden an einem beliebigen Nachmittag.

Die Akteneinsicht kurz vor der Berufungshauptverhandlung zeigte mir, daß der Vorsitzende wohl auch ein paar Probleme mit seiner Tischkante gehabt haben könnte:

Kein Sportler

Es ist wirklich nicht zu fassen, was manche Staatsanwälte für Ansichten vertreten, wenn sie sich einmal festgebissen haben.