Vernehmungstechnik

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Aus dem Vernehmungsprotokoll in einer Ermittlungsakte:

Zunächst gab der Beschuldigte lautstark im aufgebrachten Zustand an, sich nicht zum Tatvorwurf äußern zu wollen, und wenn, dann nur über einen Rechtsanwalt.

Super, der Mandant hat aus seinem letzten Verfahren gelernt. Hatte ich gedacht. Doch das war nicht das Ende:

Ihm wurde anheim gestellt, freiwillig eine Aussage zu machen. Wenn er mit der Sache nichts zu tun habe, könne er Rede und Antwort stehen, um den gegen ihn bestehenden Tatverdacht gfs. auch durch Entlastungsmomente auszuräumen.

Warum will der Polizeibeamte eigentlich nicht akzeptieren, daß der Mandant nicht aussagen will. Weder freiwillig noch unfreiwillig. Und ohne Verteidiger schon ‚mal überhaupt nicht.

Aber man kann ja mal weiterbohren. Schweigerecht? Da könnte ja jeder kommen. Das kriegen wir schon hin:

Sodann beruhigte er sich und erklärte sich zu einer Vernehmung bereit.

Danach folgten dann drei DIN A4 Seiten, auf denen sich der Mandant fast um Kopf und Kragen geredet hat.

Ich bin gespannt auf die Stellungnahme des Mandanten zu diesem Vernehmungstrick. Der Beamte versteht sein Handwerk. Mal sehen, ob das auch in der Hauptverhandlung gilt, wenn er als Zeuge auftritt und sich den Fragen der Verteidigung stellen muß.

2 Gedanken zu „Vernehmungstechnik“

  1. Völlig richtig… das ist auch leider keine Ausnahme, sondern die Regel. Wenn man selbst Beschuldigter ist, verweisen Polizeibeamte gerne auf den Paragrafen im StGB, der mit „Nötigung“ überschrieben ist. Dass sie aber selbige am Tag meist gleich mehrfach begehen, scheint ihnen wohl nicht geläufig zu sein. Sie sind ja im Gegensatz zu Verteidigern alle auch in Psychologie ausgebildet worden.
    Es lohnt sich meist zu prüfen, ob hier ein Fall von Aussageerpressung vorliegt… solche Akteneinträge sind doch vor Gericht bestimmt das beste Indiz

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