Tiefe Stille – nicht immer!

Der Düsseldorfer Kollege Udo Vetter berichtete gestern in seinem LawBlog über das enttäuschende Verhalten der Verwandten eines verhafteten Mandanten.

Der Verteidiger reagiert nach dem Notruf sofort, kümmert sich um den inhaftierten Mandanten, hat reichlich Sozialarbeit bei den Angehörigen zu leisten und ist am Ende auch erfolgreich: Der Mandant wird aus der Haft entlassen.

Statt diese Mühen zu honorieren, und sei es auch nur durch ein kleines Dankeschön, hört er weder von den vormals besorgten Verwandten, noch von dem Mandanten etwas. Das ist leider allzu oft der Fall.

Deswegen habe ich dem Kollegen – obwohl ich weiß, daß er es weiß – dazu geraten, künftig auf die Zahlung eines Honorar-Vorschusses zu bestehen. Auch in „Notfällen“.

Ich habe in einer ähnlichen Situation eine andere Erfahrung gemacht. Mir ist es (ohne Vorschuß) gelungen, für den Mandanten noch am Freitag Haftverschonung durchzusetzen. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, daß er sich nach seiner Entlassung auf dem kürzensten Wege in Richtung seiner Heimat aufmacht, die weit hinter der Oder beginnt. Statt dessen stand er am Montag auf der Kanzlei-Matte und brachte mir eine Flasche seines Nationalgetränks vorbei.

Vier Wochen später kam ein Freund des Mandanten und überreichte mir in seinem Auftrag einen Umschlag …

Die Geste, die hinter der Flasche Vodka und hinter dem Umschlag stand, war und ist mir wesentlich wertvoller als deren Inhalte. Und deswegen werde ich den Glauben an das Gute im Menschen nicht verlieren, auch wenn es mir irgendwann wieder einmal so gehen wird wie Udo Vetter.

Ein Gedanke zu „Tiefe Stille – nicht immer!“

  1. Der Kollege Vetter hatte wohl schon Vorschuss gefordert. Und auch bekommen, wenn auch nicht über alle dann entstandenen Gebühren. So jedenfalls lese ich sein „Dem Anwalt fehlt noch ein Teil seiner Gebühren“.

    Aber schön, dass es nicht immer zu solchen Problemen kommt. Und wenn Wodka hilft, dem Glauben an das Gute im Menschen wieder herzustellen, werde ich heute Abend statt einer Flasche Rotwein mal einer Flasche Wodka den Hals brechen und sehen was passiert 🙂

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