Schlamperei bei Rechtsmedizin in Hannover kann Totschlagsanklage kippen

Der Prozess am Landgericht Stendal um den Tod des kleinen Benjamin aus Schlagenthin ist zum rechtsmedizinischen Präzedenzfall geworden. Professor Dieter Krause, Chef der Uni-Rechtsmedizin in Magdeburg, wirft seinen Kollegen in Hannover öffentlich “ Schlamperei “ vor. Das Ergebnis von Versäumnissen bei der Obduktion könnte zur Folge haben, dass den angeklagten Eltern die Schuld am Tod des Zweijährigen nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden kann.

Als Rechtsmediziner Dr. Norbert Beck vor einigen Monaten im Krematorium des Magdeburger Westfriedhofs die so genannte letzte Leichenschau durchführte, war unter den Toten, die feuerbestattet werden sollten, auch der kleine Benjamin. Der erfahrene Oberarzt, der zudem Ärztlicher Geschäftsführer der Uni-Ethikkommission ist, machte erstaunliche und für ihn als Rechtsmediziner völlig unverständliche Feststellungen.

Krause ist entsetzt : “ Ich habe über 10 000 Obduktions-Gutachten meiner Mitarbeiter unterschrieben. Doch solche schlampige Arbeit wie die aus Hannover habe ich noch nie gesehen. Das kleine Einmaleins der Rechtsmedizin ist bei Benjamin nicht beherrscht worden. “

Der rechtsmedizinische Streit ist der Höhepunkt von Reibereien, die es seit Jahren zwischen der Staatsanwaltschaft Stendal und der Rechtsmedizin Magdeburg gibt. Krause : “ Die zuständige Oberstaatsanwältin für Tötungsdelikte wendet sich aus persönlichen Gründen lieber an die Uni Hannover. “ Damit trifft Krause das juristische Urgestein Ramona Schlüter. Der Chef der Magdeburger Rechtsmedizin weiter : Hannover setze zumeist auf so genannte Außensektionen vor Ort. Doch dabei gebe es “ Qualitätsverluste “ : keine modernen bildgebenden Verfahren, die besonders bei stark verwesten Leichen nötig ist, kein Röntgen, die Mikrobiologie nicht im Nachbarzimmer.

Quelle: Volksstimme

Aus Sicht vieler Strafjuristen ist es seit langem unverständlich gewesen, dass gerade wegen der deutlich größeren Entfernung aus Stendal immer wieder Hannover beauftragt wurde, jetzt kommt möglicherweise Licht ins Dunkel.