Schiffe versenken

A4 – Treffer. B2 – kein Treffer. Schiffe versenken. Kennen Sie. Ich auch.

Ich kenne aber noch mehr. Ich kenne es sozusagen „in echt“, denn auch ich gehöre zu den Bankkunden, die irgendwann einmal einen der von zahlreichen Banken vertriebenen Schiffsfonds erworben haben. Angepriesen wurde der Fonds als langfristige, sichere Anlage und zunächst ließ sich auch alles ganz gut an. Die quartalsmäßigen Ausschüttungen flossen zwei Jahre lang recht ordentlich, wurden dann reduziert und blieben schließlich ganz aus. Die Geschäftsberichte, die man als Anleger zugeschickt bekommt, lasen sich immer finsterer und so war es keine Ãœberraschung, dass irgendwann ein Schreiben ins Haus flatterte mit dem Inhalt, dass das Schiff in derart schwere See geraten sei, dass seine Versenkung mittelfristig bevorstehe.

Die zugesicherte sichere Anlage in ein Containerschiff der Extraklasse erwies sich also nach relativ kurzer Zeit als windige Investition in einen Frachter, der schnurstracks Kurs auf das Bermudadreieck genommen hatte um sich selbst und mit sich die Gelder der Anleger zu versenken. Und wie es sich für so ein Himmelfahrtskommando gehört, steht man als Anlager ziemlich allein und ohne Rettungsweste an der Reling, Land ist nicht in Sicht und die Bank, die einem den Fonds angedreht hat, erhebt die Einrede der Unzuständigkeit.

Da man in eigener Sache einen Idioten zum Mandanten und einen Trottel zum Anwalt hat, wandte ich mich an eine Kollegin, die nichts Anderes macht als sich für Anleger mit den Banken herum zu ärgern.

Außergerichtlich war die Sache rasch erledigt, denn die Bank hatte nach eigener Einschätzung alles richtig gemacht und lehnte jeden Schadensersatz ab. Also Klage. Das Gericht ordnete mein persönliches Erscheinen an und lud den Anlageberater als Zeugen.

Der Tag der Hauptverhandlung nahte, derweil kurz zuvor weitere finstere Nachrichten der Fondsgesellschaft an mein Ohr gedrungen waren. Der Frachter hatte auf dem Weg zum Bermudadreieck quasi einen Eisberg gerammt, der Kapitän war Piraten in die Hände gefallen und die Besatzung litt an Skorbut. Für mich als Anlager bedeutete dies: die Rückzahlung der in zurückliegenden Jahren des Heils erhaltenen Ausschüttungen wurde in Aussicht gestellt. Sehr zum Wohle, denn mit der Kohle hatte ich längst die heimische Wirtschaft angekurbelt und versteuert war sie obendrein.

Auf dem Weg zum Gericht stellte ich fest, dass ich meine Robe vergessen hatte. Ich war schon drauf und dran, umzukehren, als mir einfiel, dass ich sie gar nicht benötigen würde. Wer nun denkt, dass dieser Umstand ein Gefühl der Erleichterung hervorrief, irrt. Ohne Robe fühlt man sich als Anwalt in einem Gerichtssaal in etwa so wie sich ein Nacktmull inmitten einer Nerzfarm fühlen dürfte. Sicherheitshalber behielt ich meine Jacke an.

Der Anwalt der Bank trug Manschettenknöpfe, Sonnenbankbräune und Gel im Haar. Mich als Strafrechtler nahm er gar nicht ernst und bedachte mich mit diesem Blick, mit dem man Leute anschaut, vor denen einen die Eltern immer gewarnt haben. Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, es sei denn, es ist sonst überhaupt niemand da, der mit dir Kellerkind spielen will. Also wurde ein wenig gespielt. A4 – Treffer. B5 -kein Treffer. Siehe oben.

Der Manschettenbeknöpfte und meine Anwältin haben übrigens einen Vergleich geschlossen, über dessen Inhalt ich Stillschweigen bewahren muss. Ich darf also nicht schreiben, um welche Bank es sich handelte, auf welchen klangvollen Namen der Frachter getauft worden war und wann genau wir wo genau verhandelt haben.

Allerdings darf ich schreiben, dass mich die Kollegin Anja Uelhoff aus Hamburg in dieser Sache wirklich hervorragend vertreten hat und sollten Sie, lieber Leser, ebenfalls Probleme mit versenkten Schiffen, windigen Windkraftanlagen und sonstigem Anlagenharakiri haben, rufen Sie sie an und richten ihr einen schönen Gruß von mir aus.