Prozeßberichterstattung in der Schweiz

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet über einen Strafprozeß am Geschworenengericht in Zürich. Die Staatsanwaltschaft wirft dem namentlich genannten Angeklagten vor,

im Dezember 2004 in der Zürcher Ego-Bar seine 32-jährige polnische Chefin und deren 37-jährigen Begleiter erschossen zu haben.

Offenbar hat dieser Fall größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden; jedenfalls erscheint der Bericht in der NZZ in weiten Zügen stark emotional getönt. Der Verteidiger Martin Drueck sucht – wohl auch deswegen – nun auch den Weg in die Öffentlichkeit, die er mit Insider-Informationen aus der Perspektive des Angeklagten versorgt.

Der Kollege Konrad Jeker aus Soluthurn (CH) weist in seinem Weblog „strafprozess…“ auf diesen Prozeßbericht hin und fragt: „Cui bono?“ Denn diese Art der Berichterstattung in der Schweiz wohl noch nicht so üblich wie bei uns.

Ich meine, es nützt dem „fairen Verfahren“ und dem „Grundsatz der Öffentlichkeit“, zwei wichtigen Grundlagen eines Rechtsstaats. Und mutig ist es auch. Denn mit der Herstellung einer breiten Öffentlichkeit stellt sich der Verteidiger auch einer Kontrolle seiner Arbeit.

Eine engagierte Verteidigung hilft dem Gericht dabei, ein „gerechtes“ Urteil zu finden, das frei ist von einseitiger Stimmungmache durch die Berichterstattung des Boulevard.