Presse und Verständnis von Strafprozessen

Wieder mal so ein Paradebeispiel, wie Presse strafprozessuale Selbstverständlichkeiten nicht versteht oder verstehen will. Wenn ich Beweisanträge stelle, die sich zwanglos aus dem bisherigen Ergebnis der Beweisaufnahme mehr als aufdrängen, werden aus diesen Beweisanträgen plötzlich „Behauptungen des Verteidigers“. So berichtet newsclick.de:

Bislang haben sich die Behauptungen des Verteidigers durch die Zeugen nicht bestätigt, dass die ehemalige Freundin seines Mandanten „immer sexuell herausfordernd“ gewesen sei. Am gestrigen Verhandlungstag am Landgericht gegen einen 44-Jährigen aus Königslutter zeichnete ein guter Freund (50) der Geschädigten jedenfalls ein anderes Bild von der 45-Jährigen: „Sie ist eine attraktive und sehr liebe Frau mit Hang zur Romantik. Mit viel Herz und Wärme.“

Der 44-jährige Angeklagte muss sich seit März vor dem Landgericht Braunschweig verantworten, weil er seine 45-jährige ehemalige Freundin drei Mal vergewaltigt haben soll (WN berichteten). Der Verteidiger unterstellt der 45-Jährigen eine krankhafte Wahrnehmungsverzerrung und will mit neuen Zeugen erreichen, dass die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen in Zweifel gezogen wird.

Ich werde sicher weitere Beweisanträge stellen, ohne dass es mich stört, dass diese als „Behauptungen des Verteidigers“ abgewertet werden.