Nicht wirklich geschickt

Der 19-jährige Mandant hat ein Register wie ein Roman: Insgesamt 8 Vorstrafen teilte das Bundeszentralregister mit. Die letzte weist auf eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr hin, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungszeit hätte eigentlich im Mai 2006 enden sollen.

Im Februar 2006 fährt eben dieser angezählte Mandant – leicht bis mittelschwer betrunken – mit der U-Bahn. Damit sich die Nachwelt an dieses bewegende Ereignis auch erinnert, zückt er den Edding und hinterläßt seine Duftmarke an der Wagentür. Dick und fett prankt dort nun sein Künstlername.

Das gefällt einem anderen Fahrgast nicht. Ohne sich großartig auf eine Diskussion einzulassen, klatscht der Fahrgast meinem Mandanten eins ins Gesicht. Ein dickes Hämatom und eine Platzwunde an der Lippe sind die Folgen.

Ein dritter Fahrgast geht zwischen die beiden, damit die Sache nicht eskaliert und ruft auf Wunsch meines Mandanten (!!) die Polizei. Mein Mandant will den Schläger anzeigen. Und wartet eine geschlagene halbe Stunde auf die Einsatzkräfte, während der Schläger zwischenzeitlich das Weite gesucht hatte.

Dem freundlichen Polizeibeamten erklärt der Mandant dann treuherzig, was da in der U-Bahn vorgefallen war. Die Polizisten legen in der Folge gleich zwei Akten an: Körperverletzung gegen Unbekannt und Gemeinschädliche Sachbeschädigung gegen meinen Mandanten. Dem drohte nun der Widerruf der Bewährung …

Er hatte aber Glück mit dem Richter. Wegen besonderer Dusseligkeit ungeschickten Nachtatverhaltens wurde dem Heranwachsenden noch einmal „nur“ eine Verwarnung ausgesprochen, er muß noch einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen und die Bewährungszeit wird verlängert.

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