Nachschlag statt Kerzenschein

Den Mandant hatte es dreimal erwischt. Immer wegen Betruges, einmal zusätzlich wegen Veruntreuung (§ 266 a StGB) in 12 Fällen. Dafür hat er 6 Monate Freiheitsstrafe bekommen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Noch in der Bewährungszeit ermittelte die Staatsanwaltschaft erneut in vier Fällen von Betrug (zwei davon zivilrechtlich sehr kompliziert) und klagte an. Ich könnte durch intensive Gespräche einen 20-Minuten-Hauptverhandlungstermin heraushandeln, in dem der Mandant zu weiteren 24 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt werden sollte, die erneut zur Bewährung ausgesetzt werden sollten. Ich hatte die Kerzlein schon mit zum Termin gebracht, die ich aus Dankbarkeit für dieses riesengroße Glück gemeinsam mit dem Mandanten anzünden wollte.

In dem Gespräch vor Aufruf der Sache drückte mir der Staatsanwalt dann aber eine weitere Anklageschrift in die Hand: „Schauen Sie mal, was ich hier noch für Sie habe. Nachschlag, Herr Verteidiger!“

Ein weiterer Fall, diesmal allerdings mittelbare Falschbeurkundung im Amt und gewerbsmäßiger Betrug. Da hält die beste verfahrensbeendende Abrede nicht mehr.

Wenigstens konnte der Mandant noch als halbwegs freier Mann den Saal verlassen. Der Haftbefehl wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Das war dann wohl nix mit Kerzenschein …