Irgendwann muß er es lernen.

Der Mandant wurde verhaftet und in die Justizvollzugsanstalt Moabit gesperrt. Darüber weiß oder liest man nichts Gutes:

In der vor mehr als hundert Jahren erbauten Justizvollzugsanstalt Moabit wird hauptsächlich Untersuchungshaft an männlichen erwachsenen Gefangenen vollzogen. Strafgefangene werden dort in der Regel nur in Ausnahmefällen, insbesondere aus Sicherheitsgründen, untergebracht.

Die Zahl der in der JVA Moabit untergebrachten Strafgefangenen ist jedoch zur Zeit verhältnismäßig hoch, da diese aufgrund der erheblichen Ãœberbelegung in den Anstalten des geschlossenen Männervollzuges, in denen Freiheitsstrafe vollstreckt wird, erst nach längerem Aufenthalt in der JVA Moabit verlegt werden können.

Es stellt sich heraus, daß der Mandant einer Ladung zum Haftantritt nicht gefolgt ist. Es sollte seine 2 Jahre Freiheitsstrafe in der Justizvollzugsanstalt Hakenfelde und dort im offenen Vollzug absitzen. Ãœber diesen Knast weiß oder liest man – verhältnismäßig – Freundliches:

Die Justizvollzugsanstalt Hakenfelde mit der Nebenanstalt Kisselnallee, ebenfalls eine Anstalt des offenen Männervollzuges. Die Anstalt verfügt über insgesamt 418 Haftplätze für männliche erwachsene Strafgefangene. Sie ist im Bereich des offenen Vollzuges eine Selbststelleranstalt, d.h. der durch ein Gericht rechtskräftig Verurteilte wird zunächst direkt im offenen Vollzug aufgenommen, wenn er sich fristgemäß nach Ladung der Staatsanwaltschaft als Vollstreckungsbehörde zum Strafantritt stellt (Berliner Selbststellermodell) und kann bei Eignung in der Anstalt verbleiben.

Der Mandant teilt mir mit, er wisse nichts von einer solchen Ladung. Ich besorge mir die Akte und stelle fest: Es ist bereits das dritte Mal, daß er einer Ladung nicht gefolgt ist, weil er sie – so wie er sagt – jeweils nicht bekommen hat. In allen Fällen wurde aber durch eine Urkunde die ordnungsgemäße Ladung festgestellt.

Ich konnte ihm und seiner Familie, die sich sehr große Sorgen um ihn macht, nur mitteilen: Aus Moabit kommt er nur auf dem Fluchtweg oder am Ende der Strafhaft wieder raus. Eine Verlegung vor dem Hintergrund, daß er Ladungen konsequent noch nicht einmal ignoriert. ist nicht zu erreichen.

Das war vor vier Wochen. Heute ruft mich ein Kollege an. Die Familie hat ihm den Auftrag gegeben, einmal zu prüfen, ob eine Verlegung des Häftlings oder gar seine Entlassung nicht doch noch möglich sei. Der Kollege hat durch seine Akteneinsicht erfahren, daß ich den selben Job auch schonmal gemacht habe.

Tja, manchen lernen es eben (zu) spät, daß man bestimmte Briefe einfach lesen und den Inhalt ernst nehmen sollte …

Ein Gedanke zu „Irgendwann muß er es lernen.“

  1. Ging mir neulich ähnlich. Ich stelle mich auf den Kopf, erreiche aber nichts. Nachdem mir nichts mehr einfällt, beauftragt der Mandant eine Anwältin. Sie hat auch nichts erreicht. Das weiß ich deswegen, weil mich ein Cousin o.ä. des Mandanten angerufen hat, ob ich die Sache nicht übernehmen könnte, weil die bisherigen Anwälte nichts erreicht hätten. Der Cousin wusste gar nicht, dass ich der erste Anwalt war.

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