Haftgrund der Popularität

Um 14.25 Uhr geklaut und 30 Minuten später schon gefasst, so erging es gestern (27.01.07) einem 26-jährigen, wohnsitzlosen Mann aus Kassel. Was war passiert?

In einem Drogeriemarkt des ICE-Bahnhofes Kassel-Wilhelmshöhe hatte der 26-Jährige eine Tüte Bonbons aufgerissen und sich einen Teil des Inhaltes in seine Tasche gesteckt. Den Marktleiter, der den Ladendieb dabei beobachtet hatte, stieß der Langfinger zur Seite, anschließend flüchtete er.

Der geschockte Fialleiter verständigte sofort die Bundespolizeiinspektion Kassel. Eine sofort eingeleitete Fahndung brachte schnellen Erfolg. Mit Unterstützung des Polizeipräsidiums Nordhessen konnte der Täter, dank einer guten Personenbeschreibung, schnell gefasst werden.

Eine Streife der Kasseler Polizei hatte den Mann am Rathaus entdeckt und sofort festgenommen. Bei einer Gegenüberstellung mit dem Marktleiter, konnte der Festgenommene zweifelsfrei als Täter identifiziert werden.

Der 26-Jährige wurde bei der Bundespolizeiinspektion Kassel vernommen und erkennungsdienstlich behandelt. Nach den polizeilichen
Maßnahmen wurde der Dieb, auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Kassel, in die Krankenabteilung der Justizvollzugsanstalt (JVA)
Kassel eingeliefert, da der Mann, den eigenen Angaben zu Folge, Epileptiker und Drogenkonsument sei.

Am Sonntag wird er dem Haftrichter vorgeführt. Bis dahin übernachtet der 26-Jährige in der JVA und das alles wegen ein paar Bonbons. Schaden zwei Euro.

Quelle: presseportal.de/polizeipresse/

Da freut sich die Polizei und natürlich insbesondere das Volk. Drogenabhängiger Kranker wegen Diebstahl in den Knast. Das gefällt.

Dass bei einem Schaden von 2,00 €, selbst wenn es sich um einen räuberischen Diebstahl handeln sollte, im Leben kein Haftgrund vorliegt, jedenfalls der Vollzug von Untersuchungshaft mit Sicherheit unverhältnismäßig ist, interessiert natürlich kaum einen Beteiligten oder Unbeteiligten.

5 Gedanken zu „Haftgrund der Popularität“

  1. Und wieder ist Deutschland ein bisschen sicherer geworden. Aber es wäre sicherlich noch schneller gegangen, gäbe es schon die Vorratsdatenspeicherung.

  2. Endlich ist er gefasst!
    Der höchstgefährliche Bonbon-Dieb der schon in diversen Drogerien und Kaufhäusern die VerkauferInnen in Panik versetzte.
    Er soll auch schon tags zuvor bei einem gemeingefährlichen Raub einer 1,5 Liter Flasche Wasser im Wert von mehren dutzend Cent beobachtet worden sein!
    Der Ladendieb konnte ihn aber nicht fassen, da ihm die Polizei mitteilte, das der Verbrecher als V-Mann in die berüchtigte Bonbon-Bande eingeschleust wurde…
    Ein hoch auf die deutschen Sicherheitsbehörden, denen ein großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen zu sein scheint…
    😉

  3. Es ist das Bundesland des brutalsmöglichsten Aufklärers(nur wenn es andere trifft) und das Land mit einem Schwarz-(Schmier-)geld schiebenden Innenminister. Was soll man da erwarten? Eine Prozeßvorabsprache wird es bei dem Bonbonräuber(-dieb) auch nicht geben. Kleine hängt(in Dtl. wohl noch nicht) man, Große läßt man laufen.
    Denk ich an Dtl. in der Nacht …

  4. Ich fordere Bonbons mit GPS-Sensoren, ein Grossauftrag für die Industrie und alle fühlen sich sicherer.

  5. Wo kommen wir den da hin? Wenn mensch x-belibige Bonbondiebe einfach so laufen ließe…
    und überhaupt, schließlich hatte die „Baader-Meinhoff-Bande“ auch Ihre Karriere mit Kaufhäusern begonnen. Ich schließe: Erst Bollchendieb später Staatsterrorist.

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