Gefährlicher Hinweis vor Blatt 1

Der Mandant hatte mich mit der Verteidigung in einer scheinbar kleinen Sache beauftragt. Es ging um ein paar Schwarzfahrten mit und in der Berliner U-Bahn – also um das Erschleichen von Leistungen, § 265a StGB.

Was mich bei der Mandatserteilung stutzig machte, war die sofortige Akzeptanz meines Vergütungsvorschlags. Denn: Die Höhe meines Honorars überstieg die Geldstrafe, die per Strafbefehl verhängt wurde. Den Grund dafür fand ich in der Ermittlungsakte, noch vor Blatt 1; nämlich diesen gefährlichen Hinweis:

Gefährlicher Hinweis

Der junge Mann hatte also noch einen offenen Deckel. Es ging ihm also weniger darum, die recht moderate Geldstrafe noch weiter zu reduzieren. Sondern zu verhindern, daß die offene Bewährung widerrufen wird.

Vielleicht hatte der Mandant keinen ernst zu nehmenden Ratgeber nach seiner letzten Verurteilung. Meine Mandanten bekommen in den geeigneten Fällen von mir folgenden Abwägungsvorschlag mit in die Bewährungszeit gegeben:

Ãœberlegen Sie es sich gut, bevor Sie ohne Ticket in die U-Bahn steigen. Sie riskieren eine Freiheitsstrafe, um den Betrag in Höhe von 2,70 Euro zu sparen. Das lohnt sich einfach nicht, das ist es nicht wert.

Bisher hat dieser Rat stets weitergeholfen.

Wenn – wie hier – dann doch mal der Ernstfall eingetreten ist, wird die Vorlage einer abonnierten Monatsmarke im Gerichtstermin zum entscheidenden Verteidigungsmittel.