Gedankenlose Richter

Vergangene Woche mußte ich in einer Strafsache in einer kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt verteidigen. Vorwurf waren zwei geknackte Autos, entwendet wurden jeweils CD-Player.

Ich teilte für meinen Mandanten mit, daß er für die erste Tat ohnehin nicht verantwortlich sein könnte, weil er nachweislich woanders war. Dafür habe ich Zeugen benannt. Insgesamt hat mein Mandant die ihm vorgeworfenen Taten bestritten.

Für jeden durchschnittlich aufmerksamen Richter wäre nun klar gewesen, daß hier eine Beweisaufnahme durchzuführen ist, zu dem auch die Zeugen geladen werden müssen. Nicht jedoch in dieser kleinen beschaulichen Stadt…

Der Richter teilte auf meine Nachfrage, warum keine Zeugen geladen worden sind, mit, er habe erst den Angeklagten anhören wollen. Er wüßte ja nicht, was der sagen würde. Mein Hinweis auf den entsprechenden Schriftsatz brachte ihn erst zum Blättern und dann etwas aus der Fassung.

Folge: Aussetzung des Verfahrens mit zeitlich unbestimmtem 2. Akt

Ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn auf die ineffiziente Art der Terminierung hinzuweisen, für keinen der Beteiligten würden Zeit und Geld auf dem Baum wachsen.

4 Gedanken zu „Gedankenlose Richter“

  1. Der kommt halt aus dem Zivilrecht und macht zunächst so einen ersten Labertermin, um zu erfahren, worum es geht und die Beteiligten zu einem Vergleich zu nötigen, um keinen Aufwand zu haben, insbesondere kein Urteil scheiben zu müssen.

  2. Hört sich nach einem Gütetermin an 🙂

    Wenn aber die angesprochene Einlassung nicht vorgelegen hätte, wäre es sicher gar nicht so abwegig gewesen, zunächst ohne Zeugen zu terminieren.

  3. @ Werner: Sieht so aus…

    @Ralph: Wenn ein Strafrichter keine Einlassung vom Angeklagten vorliegen hat, sollte er zwingend alle Zeugen laden, weil er dann mit einer kpl. Beweisaufnahme rechnen muß.

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