Ein ungewöhnlicher Prozeß-Bericht

Am 16. Dezember 2004 wurden zwei liebenswürdige und sympathische Menschen getötet. Auf einen Schlag wurden zwei Leben ausgelöscht, Glaube und Lebensfreude zerstört. Es blieben Familienangehörige und Freunde zurück, deren psychische Wunden nicht oder nur schwer heilen können.

Die heutigen Aussagen der Hinterbliebenen waren ergreifend und hinterliessen Sprachlosigkeit. Es gibt letztlich keine Worte für das, was am 16. Dezember 2004 geschehen ist und wie es geschehen ist.

Die Hinterbliebenen der Opfer haben nicht nur ein Recht auf Anteilnahme und Mitgefühl. Sie haben auch ein Recht darauf zu wissen, wie es zu dieser Tragödie kam und wer dafür die Verantwortung trägt. Im vorliegenden Verfahren sollen die Hintergründe und die Schuld für das zweifache Tötungsdelikt sorgfältig und umfassend abgeklärt werden. R. will sich dem stellen. Er steht zu seiner Verantwortlichkeit und zu seiner Schuld.

Quelle: Kanzlei Drueck Stengel & Hitz, Zürich

Nein, das sind nicht die Worte eines Nebenklägervertreters oder „Opferanwalts“. Es ist der Verteidiger des Angeklagten, der nicht versucht, die Opfer für seine Tat verantwortlich zu machen, sondern echte Reue zeigt.

Ãœber die Berichterstattung habe ich hier schon einmal geschrieben.

In einem Verfahren vor dem Schwurgericht in Mainz, in dem mein Kollege Tobias Glienke und ich die Hinterbliebenen vertreten, sieht das anders aus. Wir haben den Eindruck, daß dort die Getötete die Böse ist:

Die Nachbarn vom Eicher See haben großes Mitleid mit dem 55-Jährigen [Täter], sammelten sogar Unterschriften, um ihn zu unterstützen. Er sei ihnen all die Jahre als rechtschaffen und liebenswürdig bekannt.

Quelle: Wormser Zeitung