EC-Karten – Abzocke in der Türkei

Mein Mandant kommt aus einem Türkeiurlaub nach Hause und wundert sich, dass offenbar in der Türkei auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland Geld abgehoben wird.

Just heute konnte ich ihm dann sogleich einen Artikel aus den „Peiner Nachrichten“ zum Lesen geben:

Tatort: Geldwechselstuben in der Türkei. Meist handele es sich um kleine, dubiose Boutiquen, die mit schnellem und günstigem Geldwechsel lockten, erläutert Polizeisprecher Sock. Die Masche sei immer dieselbe. Kriminalkommissar Peter Wandt erklärt: „Der Kunde soll seine EC-Karte in ein Gerät einschieben. Beim ersten Mal klappt es nicht, dann soll er es nochmal probieren – und nochmal, bis jemand einen defekten Terminal vorgaukelt und sagt: ,Heute scheint das wohl nicht zu funktionieren‘.“ Danach werde der Kunde zum Abheben in die nächste Bank schickt.

Während dieser Testversuche sei die EC-Karte meist mit einem hinter dem Tresen versteckten Notebook ausgelesen worden, die Pinnummer habe ein Komplize durch gewieftes „Über-die-Schulter-Gucken“ ausgespäht, sagt Wandt weiter.

Mit diesen Daten stellten die Täter Dubletten, so genannte White-Plastics, her, die sie schließlich für betrügerische Abhebungen einsetzten. Allerdings nur im Ausland, denn deutsche Automaten akzeptieren diese nachgemachten Karten nicht. Stefan Honrath, Leiter der Kommunikation der Sparkasse Peine erklärt: „In Deutschland gibt es ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal für EC-Karten.“

Für die wichtige Frage der Haftung gilt in Banken nach wie vor folgende eiserne Regel: „Wenn der Kunde sorgfältig mit seiner Karte und den Geheimdaten umgeht, haftet nicht er, sondern ein Haftungsfonds trägt die Schäden“, sagt Honrath. Auch um die Gefahr, dass gerade ältere Leute, die nicht per Online-Banking täglich ihren Kontostand kontrollierten, solche Verluste verspätet bemerken, weiß der Sparkassen-Sprecher. „Ich kann nur sagen, dass solche Fälle bisher meist kulant behandelt werden.“

Trotzdem rät der Banker eindringlich, von vornherein „nur seriöse Adressen im Ausland, also Bankinstitute, anzusteuern“. Noch gelte das Aufsuchen von „Hinterhof-Wechselstuben“ nicht als Verletzung der Sorgfaltspflicht, das könne sich aber mit steigendem Bekanntheitsgrad dieser „Masche“ ändern, gibt Honrath zu bedenken.

Insofern rät auch die Polizei Betroffenen, jeden Fall zu melden. Das Bundeskriminalamt arbeitet eng mit türkischen Behörden zusammen, um Deutsche vor dem Ausspähen und Kopieren von Zahlungskarten zu schützen. Gerade Ende März dieses Jahres ist es auf diese Weise gelungen, einen der größten Fälle von EC-Kartenbetrug an deutschen Touristen in der Türkei aufzudecken: Eine Bande hatte im Raum Ankara Geheimdaten von mehr als 800 deutschen Urlaubern beim Geldabheben ausspioniert.