Der Druck der Straße

Im Namen des Volkes?

Stehen Richter über der Meinung des “Mannes auf der Straße”? Lassen sich Richter NICHT von Presseberichten beeinflussen? Haben die geierigen Reporter von BILD, RTL und Konsorten Einfluss auf die Höhe von Strafen?

Natürlich nicht!, wird jeder Richter antworten, wenn er öffentlich gefragt wird. Anders bei anonymen Umfragen, da wird es etwas ehrlicher:

Ãœber den Umweg des Boulevards würden die Gerichte unter Druck gesetzt, ihre Unabhängigkeit würde untergraben.

Das geben die Richter und Staatsanwälte sogar zu, sagt der Kommunikationswissenschaftler Mathias Kepplinger. Jeder dritte Richter und jeder zweite Staatsanwalt gab in einer Umfrage an, Berichte über seine Fälle „ganz gezielt“ zu verfolgen. Die Frage „schuldig oder nicht schuldig“ hänge von der medialen Meinung zwar nicht ab. Aber die Höhe der Strafe durchaus, sagte jeder vierte Richter und jeder dritte Staatsanwalt. Und fast jeder zweite Richter gab zu, er denke vor brisanten Urteilen über die öffentliche Reaktion nach – „ein wenig“ jedenfalls. Oder wie es Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts, formulierte: „Urteile müssen sich dem öffentlichen Diskurs stellen. Das diszipliniert erheblich.“

Quelle: FAZ

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