Das Ende der Resozialisierung

Werden Gefangene zu weich angefasst? Niedersachsen will bei Freigängen, Urlaub, Therapien und Hafterleichterungen eine härtere Gangart durchsetzen.

„Der Knast ist so etwas wie ein Dampfkochtopf. Wenn Sie das Ventil vergessen, kann er explodieren“, warnt die SPD-Abgeordnete Elke Müller gestern.

Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) will mit einem neuen Strafvollzugsgesetz den Schutz der Allgemeinheit stärker betonen. Förderung und Therapien werden an die „Mitarbeitsbereitschaft“ des jeweiligen Gefangenen gebunden. Sicherheit und Resozialisierung müssten in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden, heißt es im Ministerium.

„Der wirksamste Schutz ist eine gute Vorbereitung des Gefangenen, denn die Leute kommen ja wieder raus“, sagte dagegen der Vorsitzende des Niedersächsischen Richterbundes, Jürgen Possehl, unserer Zeitung. „Ein Verzicht auf Resozialisierung wäre verantwortungslos, weil fast alle Häftlinge irgendwann das Gefängnis wieder verlassen“, betonte auch Müller. In Dänemark, wo 80 Prozent das Gefängnis zur Arbeit verlassen dürften, sei die Rückfallquote mit 30 Prozent nur halb so hoch.

Quelle: newsclick.de

Nicht nur in Niedersachsen droht nun die reine Verwahrung ohne Resozialisierung. Die Politik schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe, sie kann dem „Mann auf der Straße“ die Kosteneinsparung sogar noch als Sicherheitsverbesserung verkaufen. Schöne Aussichten.