Bewährung für Sexlüge

Das Amtsgericht Mayen verurteilte vergangenen Montag eine 26-jährige Frau zu Bewährungsstrafen von jeweils 1 Jahr und 6 Monaten wegen falscher Verdächtigung und Betrug (Gesamtstrafenbildung) sowie wegen Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft und falscher uneidlicher Aussage. Hintergrund: die Frau hatte im Jahr 2004 behauptet, sie sei von zwei Männern brutal vergewaltigt worden.

Beide wurden hierauf inhaftiert und atmeten kanpp 6 Monate lang gesiebte Luft bis es in der Hauptverhandlung gelang, die Frau der Lüge zu überführen. Ich habe damals einen der beiden Männer verteidigt und noch in der Hauptverhandlung Strafantrag gegen die Frau gestellt.
So kam es, dass ich mich in der ungewohnten Rolle des Nebenklägervertreters wiederfand. Einen Adhäsionsantrag auf Zahlung von Schmerzensgeld hatte ich im Gepäck und ich staunte nicht schlecht, als das Gericht die Auffassung vertrat, dieser sei verspätet. Offenbar hatte das Gericht noch nicht oft mit Adhäsionsverfahren zu tun und hoffte, ich würde den Antrag zurücknehmen. Bei der Hoffnung blieb es und somit musste sich das Gericht wohl oder übel mit den Grundzügen des Adhäsionsverfahren vertraut machen und hierbei auch feststellen, dass ein Adhäsionsantrag bis zum Beginn der Schlußvorträge gestellt werden darf. Neben der Verurteilung erging ein Grundurteil, wonach die Frau zur Zahlung eines Schmerzensgeldes verurteilt und gleichzeitig festgestellt wurde, dass der Anspruch aus unerlaubter Handlung resultiert. Damit ziehe ich jetzt vors Zivilgericht und muss mich nur noch um die Höhe des Schmerzensgeldes streiten.

6 Gedanken zu „Bewährung für Sexlüge“

  1. Frau Rüber, habe Ihren Kommentar zum Adhäsionsantrag mit großem Interesse gelesen. MfG Behne

  2. Irgendwie unbefriedigend, dass die Dame – anders als ihre Opfer – nicht auch ein bisschen sitzen muss.

    @ Rolf Behne: „…mit großem Interesse gelesen“ – Hm, bei mir ist das die freundliche Umschreibung für „ziemlicher (bis erheblicher) Schwachsinn“

  3. @RA Melchior: Ich hatte beantragt, die zu verhängende Freiheitsstrafe nicht zur Bewährung auszusetzen. Mein Mandant leidet noch heute unter den Folgen der Tat.

  4. Kann man aus der Urteilsbegründung herauslesen, daß sie Bewährung bekam, weil sie weiblich ist?

Kommentare sind geschlossen.