Bayerische Umgangsformen

Ich verteidige den Mandanten bereits seit Herbst vergangenen Jahres. Dazu habe ich mich bei der zuständigen bayerischen Staatsanwaltschaft gemeldet. Der Staatsanwalt hat mir einen Teil der Ermittlungsakte übersandt, aus der ich zwei-und-zwei zusammenzählend gesehen habe, daß es einen Haftbefehl gegen meinen Mandanten gibt.

Nach entsprechender Beratung des Mandanten habe ich dann mit dem Staatanwalt telefoniert, der nach anfänglicher Reserviertheit – Bayern vs. Berlin, Sie wissen schon … – dann doch recht aufgeschlossen erschien; es war ein freundliches Telefonat, in dem wir auch über die verschiedenen Möglichkeiten einer (nunja, freiwilligen) Selbststellung gesprochen haben. Der Mandant lebt nämlich nicht in Deutschland und ein Auslieferungsverfahren aus dem nicht-europäischen Ausland ist für keinen der Beteiligten eine angenehme oder bequeme Sache.

Vor ein paar Tagen habe ich – durch eine mir namentlich nicht bekannte Person aus dem Umfeld meines Mandanten – eine Nachricht aus dem Ausland erhalten, daß die dortige Polizei den Mandanten verhaftet habe; er werde nun in Richtung Bayern auf den Weg gebracht.

Bis heute weiß ich nichts Genaues. Ich ärgere mich darüber, daß die Staatsanwaltschaft es nicht für nötig hält, mir als Verteidiger eine kurze Nachricht zukommen zu lassen, daß es nun losgeht …

Vielleicht ist es in Bayern immer noch nicht angekommen, daß die Verteidigung eines Beschuldigten zu den Basics eines fairen, prozeßordnungsgemäßen und rechtsstaatlichen Verfahrens gehört. Es kann aber auch sein, daß sich dieses nicht-europäische Ausland und Bayern nur hinsichtlich des Wetters unterscheiden. Ich weiß es nicht.

Jetzt bin ich nur gespannt, wie die Bayern mit dem § 118 V StPO umgehen werden. Entsprechende Anträge habe ich jedenfalls mal gestellt.