Amtsgericht Braunschweig: Vertrauen ist wichtig, Terminshoheit ist wichtiger

Der Mandant traut seinen Augen nicht. Mit der Ladung zum Termin erhält er die Mitteilung, dass sein Verteidiger ihn nicht verteidigen darf, weil seinem Verteidiger die Zulassung entzogen wurde, weil der seine Haftpflichtversicherung nicht bezahlt hat. Er sucht sich sofort einen neuen Verteidiger, zu dem er auch sofort Vertrauen aufbaut. Dieser legitimiert sich, bittet um Akteneinsicht und um Aufhebung des anberaumten Termins, da er an diesem Tag wegen einer anderen Strafsache, die schon seit Monaten terminiert ist, verhindert ist.

So weit, so gut.

Das Amtsgericht Braunschweig lehnt den Terminsaufhebungsantrag ab, u.a. mit dem Argument, der Angeklagte habe ja nun seinen Anwalt gewechselt und möge sich jetzt einen aussuchen, der am Terminstag nicht verhindert ist. Man wolle natürlich dem Angeklagten nicht den Verteidiger seines Vertrauens entziehen, aber den, zu dem er Vertrauen hat, den darf er nun nicht nehmen.

Man wird sehen, ob das vor dem Landgericht hält oder ob dort das Vertrauen zu einem Anwalt auch davon abhängig gemacht wird, ob dieser terminlich nicht verhindert ist.

3 Gedanken zu „Amtsgericht Braunschweig: Vertrauen ist wichtig, Terminshoheit ist wichtiger“

  1. Das macht einen regelrecht sprachlos. Wahrscheinlich hätte der RA die lange anberaumte andere Sitzung wohl zu Lasten eines anderen Mandanten absagen sollen.!?!???

    Aber BS ist glaube ich der Gerichtsstandort wo die EV eines Anwalts wegen eines ersichtlichen Tippfehlers in ein Ermittlungsverfahren mündet…

    Hoffentlich sieht man in der Münzstraße die Angelegenheit so wie ich sie sehe. „Haue“ auf den Richterfinger…

  2. @Oldnag
    Nee, noch besser, die Richterin meint, der Angeklagte soll sich einen anderen Anwalt suchen, der an dem anberaumten Tag nicht verhindert ist.

    @ Carsten H.
    Beschwerde zum Landgericht, Termin war noch nicht. Und ich hoffe, dass es ihn auch nicht geben wird.

Kommentare sind geschlossen.