Vernehmungsprotokoll

19. Dezember 2006

Kriminalkommissar:

Haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Beschuldigter:

Nein, ich habe nichts falsch gemacht, dessen bin ich mir sicher. Ich trinke keine Alkohol, deshalb mache ich auch keine seltsamen Sache.

Kriminalkommissar:

Ich glaube Ihnen kein Wort.

Weiter an anderer Stelle.

Kriminalkommissar:

Die Polizei hat Sie am 3.8.06 aufgegriffen. Entschuldigen Sie bitte, ich habe die Berichte verwechselt. Die Polizei soll Sie am 16.7.06 aufgegriffen haben, die Tat soll in der Nacht vom 08. zum 09.07.2006 passiert sein … also ca. eine Woche vorher.

Beschuldigter:

Als die Polizei mich da festgehalten hat, haben die mir damals gesagt, es wäre vor drei Tagen gewesen der Tatvorwurf.

Kriminalkommissar:

Dann haben die Kollegen sich eben geirrt. Ich sage Ihnen, dass es eine Woche vorher war.

… und so weiter und so weiter.

Nicht nebenbei: Es geht hier keineswegs um einen kleinen Ladendiebstahl, was man anhand der Qualität dieser Poliziearbeit vermuten könnte. Für den Beschuldigten geht es um einen Freiheitsstrafe zwischen 2 und 15 Jahren.

RA Carsten R. Hoenig | Allgemeines | Kommentare | Trackback Zum Seitenbeginn springen

5 Kommentare zu “Vernehmungsprotokoll”

  1. 01

    Ich glaube Ihnen kein Wort.
    Hätte ich geantwortet: Ist OK, dann sage ich halt nichts mehr.

    A. John am 19. Dezember 2006 um 12:43
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  2. 02

    Wenn sich die Beschuldigten alle an die Regel hielten, bei der Polizei keine Aussage zu machen, hätten die Strafverteidiger nur die Hälfte der Arbeit.

    RA Carsten R. Hoenig am 19. Dezember 2006 um 13:43
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  3. 03

    Das sind ja wirklich Amateure – in solchen Fällen geht dann eben das Protkoll “verloren”, gelle? Nicht mal Chief Wiggum wäre das passiert :-)

    Tilman am 19. Dezember 2006 um 18:30
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  4. 04

    Ich finde es beachtlich, dass der Vernehmungsbeamte die eigenen Irrtümer und die der Kollegen sogar selber einräumt und nicht wenigstens im Protokoll behauptet, der Verdächtige hätte sich geirrt… wirft auch ein deutliches Licht auf seinen (ders Beamten) eigenen IQ.

    VolkerK am 20. Dezember 2006 um 07:53
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  5. 05

    Dies ist kein Einzelfall sondern Realität. Überheblichkeit, Arroganz und maßlose Selbstüberschätzung sind an der Tagesordnung. Nur sie sind was und stellen die Säule des Staates. Alle anderen sind nur Beiwerk.

    DieterH am 20. Dezember 2006 um 16:42
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